Winterwandern im Harz
Wenn im Oberharz der erste Schnee liegt, wird aus dem Mittelgebirge eine stille Winterlandschaft: verschneite Fichten, Raureif am Brocken und Wege, auf denen man oft stundenlang kaum jemandem begegnet. Hier erfahren Sie, welche Touren sich im Winter lohnen, wie Sie sich auf das raue Brockenwetter einstellen und was in den Rucksack gehört.
Wann ist im Harz Winter?
Schnee gibt es vor allem in den Hochlagen ab etwa 700 Metern – rund um Torfhaus, Braunlage, Schierke, St. Andreasberg und Hahnenklee. Mit etwas Glück liegt dort von Dezember bis März eine geschlossene Schneedecke, auf dem Brocken (1.141 m) oft schon ab November und bis in den April. In tieferen Lagen wie Wernigerode, Thale oder Bad Harzburg ist der Winter dagegen häufig grau und nass. Wer Schnee sucht, fährt also nach oben.
Der Brocken hat ein Klima, das eher an Skandinavien als an Norddeutschland erinnert: An rund 300 Tagen im Jahr steckt der Gipfel im Nebel, Sturm ist keine Seltenheit, und die gefühlte Temperatur liegt oft deutlich unter null. Schauen Sie deshalb vor jeder Tour in den Wetterbericht für den Gipfel – nicht für den Talort.
Die schönsten Winterwanderungen im Harz
Goetheweg: von Torfhaus auf den Brocken
Der Klassiker unter den Brockentouren: Rund 8 Kilometer und etwa 350 Höhenmeter sind es von Torfhaus bis zum Gipfel, für eine Richtung sollten Sie im Winter gut 2,5 bis 3 Stunden einplanen. Der Weg führt am Hochmoor vorbei und zuletzt ein Stück entlang der Gleise der Brockenbahn. Bei Schnee ist er meist gut ausgetreten, an vereisten Stellen helfen Grödel. Am großen Parkplatz in Torfhaus liegt das Besucherzentrum des Nationalparks Harz – ein guter Startpunkt mit Toiletten und Informationen zu den aktuellen Wegeverhältnissen.
Brockenstraße ab Schierke
Die asphaltierte Brockenstraße ist für den privaten Autoverkehr gesperrt und deshalb im Winter eine beliebte, gleichmäßig ansteigende Route zum Gipfel. Sie ist breiter und leichter zu finden als die Pfade – ideal, wenn Nebel aufzieht. Viele Wanderer kombinieren den Aufstieg zu Fuß mit der Rückfahrt in der Brockenbahn der Harzer Schmalspurbahnen. Prüfen Sie vorher den aktuellen Fahrplan: Wegen Bauarbeiten und Wetter fällt der Zug zum Brocken immer wieder einmal aus.
Rund um Braunlage und den Wurmberg
Braunlage ist der Wintersportort des Westharzes. Neben Rodelhängen und Liften gibt es geräumte Winterwanderwege, etwa durch das Bodetal Richtung Königskrug oder hinauf zum Wurmberg (971 m), dem höchsten Berg Niedersachsens. Wer es gemütlich mag, fährt mit der Seilbahn hinauf und wandert bergab zurück.
Abschnitte auf Hexenstieg und Kaiserweg
Die großen Fernwanderwege lassen sich im Winter gut in Tagesetappen erleben. Auf dem Harzer Hexenstieg ist der Abschnitt zwischen Altenau, Torfhaus und Schierke besonders winterlich. Der Kaiserweg führt von Bad Harzburg über Torfhaus und Braunlage – auch hier eignen sich die Hochlagen für eine Wintertour. Weitere Routen finden Sie unter Wanderwege im Harz.
Sicher unterwegs im Winterharz
- Früh starten: Im Dezember ist es schon gegen 16 Uhr dunkel. Planen Sie so, dass Sie bei Tageslicht zurück sind, und haben Sie trotzdem eine Stirnlampe dabei.
- Auf den Wegen bleiben: Im Nationalpark Harz gilt in den Kernzonen ein Wegegebot. Abseits der Wege stören Sie Wildtiere, die im Winter mit ihren Kräften haushalten müssen.
- Glätte ernst nehmen: Festgetretener Schnee wird schnell zu Eis. Grödel wiegen wenig und machen auf vereisten Passagen einen großen Unterschied.
- Wetterumschwung einplanen: Auf dem Gipfel kann es auch bei Sonne im Tal stürmen. Kehren Sie bei dichtem Nebel und Sturm lieber um.
- Akku warm halten: Kälte leert Handy-Akkus schnell. Tragen Sie das Handy körpernah und nehmen Sie eine Powerbank mit.
Die richtige Ausrüstung
Für Winterwanderungen im Harz brauchen Sie keine Hochgebirgsausrüstung, aber warme und trockene Füße sind das A und O. Bewährt haben sich wasserdichte, gefütterte Wanderschuhe mit griffiger Sohle, dazu Gamaschen gegen Schnee im Schaft. Kleiden Sie sich nach dem Zwiebelprinzip: Funktionswäsche aus Merino oder Kunstfaser, eine warme Fleece- oder Daunenschicht und eine winddichte Wanderjacke darüber. Mütze, Handschuhe und ein Schlauchschal gehören immer in den Rucksack – oben am Brocken bläst der Wind deutlich kälter als unten im Ort.
Einkehren und Aufwärmen
Auf dem Brocken gibt es Einkehrmöglichkeiten, die Öffnungszeiten sind im Winter aber oft eingeschränkt – ein kurzer Blick auf die aktuellen Angaben vor der Tour lohnt sich. Unterwegs gibt es nur wenige Einkehrmöglichkeiten. Eine Thermoskanne mit heißem Tee und ein paar Energieriegel sind deshalb Pflicht. Eine kleine Sitzunterlage macht die Pause auf einer kalten Bank deutlich angenehmer.
Tipp: Harzer Wandernadel
Auch im Winter können Sie Stempel für die Harzer Wandernadel sammeln. Die Stempelkästen stehen an Aussichtspunkten, Hütten und Gipfeln im ganzen Harz – ein schönes Ziel, besonders für Familien. Mehr Tipps für die Region finden Sie im Artikel Wandern im Harz, allgemeine Hinweise zum Wandern im Schnee unter Winterwanderungen.